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Unser Selbstverständnis
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© Meditationszentrum

Unser Selbstverständnis

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Was ist Spiritualität?
Allen Menschen ist eine Tiefendimension zu eigen, die sie für ethische Werte, sinnvolles Leben und für Gott aufschließt. Was da still und kraftvoll zwischen der göttlichen Inspiration und der Seele des Menschen fließt, nennen wir Spiritualität. Spiritualität ist Stille, Gebet, Meditation, aber auch noch viel mehr als dies: sie ist eine Grundhaltung des Hörens auf die Sprache des Geistes Gottes in dieser Welt. Spiritualität verändert den Menschen von innen her, bewegt ihn aber auch zum verantwortlichen Tun in Beziehung und Gesellschaft.
(Helmut Schlegel)
 

Was ist christliche Spiritualität?
Christliche Spiritualität bringt Menschen mit der Person und Botschaft Jesu in Berührung. Es ist der Weg der Nachfolge Jesu, auf dem sich Menschen auf den Prozess der eigenen Menschwerdung einlassen. Christliche Spiritualität ist sowohl kontemplativ als auch aktiv, sie führt sowohl in die Stille des Gebetes als auch in die Verantwortung, die Welt im Sinne Jesu zu gestalten. Die Heilige Schrift nennt vier Wesensmerkmale christlicher Spiritualität: Zeugnis, Gemeinschaft, Diakonie und Liturgie.

Im Lauf der Geschichte haben sich unterschiedliche Facetten der christlichen Spiritualität entwickelt. Begnadete Frauen und Männer haben Wege des Gebetes, der Kontemplation und der Meditation aufgezeigt, die auch heute suchenden Menschen die Möglichkeit geben, Gott auf verschiedene und auf ganz persönliche Weise zu finden. Bei aller Verschiedenheit der spirituellen Wege geht es immer darum, was Paulus im Galaterbrief schreibt: „dass Christus in euch Gestalt annimmt.“ (Gal 4,19)
(Helmut Schlegel)
 

Was ist Meditation?
Meditation ist einer der Zugangswege zu einem spirituellen Leben. Unser Geist hat die Fähigkeit, durch die Schichten der äußeren Impulse, der Gedanken, der Gefühle und der Absichten in die „Spitze des Herzens“ vorzudringen, dahin, wo Gott unser Sein berührt und uns mit seiner Liebe umfängt. Im Schweigen der Worte, Bilder und Gefühle und im Berührtwerden von Gott finden Menschen zum inneren Kern und Geheimnis ihres Wesens. Sie erfahren eine Tiefe, die ihnen im Lärm und der Geschäftigkeit ihres Lebens oft verschlossen bleibt. Still zu werden – ja, sogar leer wie eine Schale, die neu gefüllt wird – ist darum der Königsweg jeder Meditationsform. Die Art und Weise der Meditation kann sehr verschieden aussehen: Wir meditieren, wenn wir staunend einen Sonnenaufgang wahrnehmen, wenn wir uns faszinieren lassen von Bachs Musik oder wenn wir an einer ergreifenden Liturgie teilnehmen. Wir können aber auch in meditativer Haltung den Dachboden aufräumen oder mit Achtsamkeit am Krankenbett einer Nachbarin sitzen. Wir können vor einer roten Ampel mitten im Großstadtverkehr ebenso meditieren wie in der Versenkung einer Zen-Sesshin.
(Helmut Schlegel)
 

Was ist christliche Meditation?
Christliche Meditation führt zur Person und zum Wesen Jesu Christi und in der Begegnung mit ihm zur Bereitschaft, die Aufgaben in der Welt anzunehmen und der Liebe Gestalt zu geben. Menschen, die dem Geheimnis der christlichen Meditation nachgehen, kommen dem Geheimnis Jesu näher und versuchen, ihr Leben in der Gesinnung und Hingabe Jesu zu leben. Viel besser sagt es der Apostel Paulus im Brief an die Gemeinde in Galatien: „Ich bin mit Christus gekreuzigt worden; nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir.“ (Gal 2,19f.) Wer sich in der Meditation von der Gestalt Jesu formen und verwandeln lässt, lässt sich auch vom Kreuz Jesu formen und verwandeln. Christliche Meditation löst uns von unserem Ego-Geist und gibt an seiner Stelle dem Geist Jesu Raum.
(Helmut Schlegel)
 

Was ist Mystik?
Das griechische Wort myô heißt wörtlich übersetzt: die Augen schließen. Die inneren Augen ermöglichen uns eine Sicht, die den leiblichen Augen verborgen ist. Wenn unsere Außenbilder verblassen, wenn die Geräusche des Alltags verstummen, wenn wir auch das, was wir von Gott „wissen“, bei Seite legen, können wir im liebenden Schauen das berühren und erfahren, was uns gleichermaßen trägt und übersteigt: das Transzendente, Göttliche. Mystische Erfahrungen können wir nicht selbst machen, sie werden uns geschenkt. Andererseits können wir unseren Geist vorbereiten, damit er fähig wird, Gott zu schauen. Von Augustinus stammt die Trias „purgatio – illuminatio – unio“, d.h. Läuterung – Erleuchtung – Einigung. Der Einheit mit Gott geht zunächst jene Stufe voraus, in der Menschen sich von der Eigenmächtigkeit ihres Egos befreien lassen und sich dem Einfluss des göttlichen Geistes übergeben („purgatio“). In der „illuminatio“ nähert sich unser Geist mehr und mehr der Erkenntnis der Wahrheit. In der christlichen Mystik bedeutet dies vor allem, dass Menschen sich der Heiligen Schrift zuwenden und sich ihnen ihr geistlicher Sinn so erschließt, dass sie darin Christus erkennen. In der „unio mystica“ schließlich werden die Grenzen zwischen Gott und Mensch aufgebrochen. Es geschieht eine Art Osmose zwischen Gott und Mensch. Während der Mensch auf der Stufe des „Gesetzes“ sein ethisches Handeln immer mehr nach Gottes Gebot ausrichtet, während er in der geistigen Auseinandersetzung und in der Lektüre der Schrift immer mehr Gottes Wesen und Handeln erkennt, erreicht er in der unio mystica eine Stufe, in der er wortlos schaut, schweigt und liebt. Die Seele wird zu einem Raum, darin Gott Wohnung nimmt. Paulus beschreibt im 2. Korintherbrief die unio mystica mit den folgenden Worten: „Wir alle schauen mit enthülltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wie in einem Spiegel und werden so in sein eigenes Bild verwandelt …“ (2 Kor 3,18). Glaube wird zur Verwandlung. Das göttliche Feuer ergreift die Seele des Menschen und macht sie selbst zu einer göttlichen Glut.
(Helmut Schlegel)