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Was ist Mystik?

Was ist Mystik?

Das griechische Wort myô heißt wörtlich übersetzt: die Augen schließen. Die inneren Augen ermöglichen uns eine Sicht, die den leiblichen Augen verborgen ist. Wenn unsere Außenbilder verblassen, wenn die Geräusche des Alltags verstummen, wenn wir auch das, was wir von Gott "wissen", bei Seite legen, können wir im liebenden Schauen das berühren und erfahren, was uns gleichermaßen trägt und übersteigt: das Transzendente, Göttliche. Mystische Erfahrungen können wir nicht machen, sie werden uns geschenkt und sind Gnade. Andererseits können wir unseren Geist bereiten, dass er fähig werde, Gott zu schauen. Von Augustinus stammt die Trias "purgatio - illuminatio - unio". Zu Deutsch: Läuterung - Erleuchtung - Einigung. Der Einheit mit Gott geht zunächst jene Stufe voraus, in der Menschen sich von der Eigenmächtigkeit ihres Egos befreien lassen und sich dem Einfluss des göttlichen Geistes übergeben. In der "illuminatio" macht unser Geist mehr und mehr die Erkenntnis der Wahrheit. In der christlichen Mystik bedeutet dies vor allem, dass Menschen sich der Heiligen Schrift zuwenden und sich ihnen der geistliche Sinn der Schrift erschließt, bis sie darin Christus erkennen. In der unio mystica werden die Grenzen zwischen Gott und Mensch aufgebrochen. Es geschieht eine Art Osmose zwischen Gott und Mensch. Während der Mensch auf der Stufe des "Gesetzes" sein ethisches Handeln immer mehr nach Gottes Gebot ausrichtet, während er in der geistigen Auseinandersetzung und in der Lektüre der Schrift immer mehr Gottes Wesen und Handeln erkennt, erreicht er in der unio mystica eine Stufe, in der er wortlos schaut, schweigt und liebt. Die Seele wird zu einem Raum, darin Gott Wohnung nimmt. Paulus beschreibt im 2. Korintherbrief die unio mystica mit den folgenden Worten: "Wir alle spiegeln mit enthülltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wider und werden so in sein eigenes Bild verwandelt..." (2 Kor 3,18; vgl. 3,6). Glaube wird zur Verwandlung. Das göttliche Feuer ergreift die Seele des Menschen und macht sie selbst zu einer göttlichen Glut.