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Weltinnenraum erfahren

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Madeleine Delbêl

Glaubende und Suchende;

Sozialarbeiterin

Katholikin unter Kommunisten

Mystikerin

Tänzerin

...

Biographie

Madeleine Delbrêl wird am 24.Oktober 1904 in Mussidan, in Südfrankreich geboren. Als sie 12 Jahre alt ist, zieht die Familie nach Paris. Bereits mit 16 Jahren geht sie an die Pariser Sorbonne und studiert Philosophie und Geschichte, schreibt Gedichte und zeichnet.

Sie sucht Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens und findet sie nicht. Das Leben scheint ihr absurd und sinnlos: Menschen werden geboren, um zu sterben. Wie kann da Gott existieren?

Eine tiefe Lebenskrise, ausgelöst durch eine gescheiterte Liebesbeziehung, leitet eine Wende ein:

 „Wenn ich aufrichtig sein wollte, durfte ich Gott… nicht so behandeln, als ob er ganz gewiss nicht existierte. Ich wählte deshalb, was mir am besten meiner veränderten Perspektive zu entsprechen schien: ich entschloss mich zu beten“

Madeleine erkennt, dass sie sich nicht aus der Welt zurückziehen muss, um Ernst zu machen mit der Nachfolge Jesu. So wie Jesus möchte sie zugleich bei Gott und den Menschen sein, ohne eine klösterliche Klausur (wie sie in vorkonziliarer Zeit vorgegeben war)

„Es gibt Leute, die Gott nimmt und beiseite stellt. Andere gibt es, die lässt er in der Masse, die zieht er nicht „aus der Welt zurück“:
Es sind Leute, die eine gewöhnliche Arbeit verrichten, die gewöhnlich Verheiratete oder gewöhnlich Unverheiratete sind .... Leute, die ein gewöhnliches Haus und gewöhnliche Kleider haben ... Leute, die man auf einer beliebigen Straße antrifft
Wir anderen, wir Leute von der Straße, glauben aus aller Kraft, dass diese Straße, diese Welt, auf die uns Gott gesetzt hat, für uns der Ort unserer Heiligkeit ist. Wir glauben, dass uns hier nichts Nötiges fehlt, denn, wenn das Nötigste fehlte, hätte Gott es uns schon gegeben.“ (Gott einen Ort sichern, S.33f.)

Im Oktober 1933 geht Madeleine Delbrêl mit zwei Gefährtinnen nach Ivry, einem kommunistisch geprägten Vorort von Paris, um ein gemeinschaftliches Leben nach dem Evangelium aufzubauen. Sie arbeitet als Sozialarbeiterin im kommunistischen Rathaus.

Ivry

1946 gibt sie ihren Beruf auf und widmet sich vermehrt ihrer Gemeinschaft, die sich inzwischen vergrößert hat. Weiterhin engagiert sie sich in vielen sozialen und politischen Projekten.

Ein wichtiger Meilenstein ihres Lebens ist der Kontakt zu den Verantwortlichen der missionarischen Aufbruchsbewegungen in Frankreich (Mission de France). Die Sorge um die missionarischen Bewegungen treibt Madeleine um und sie sucht das Gespräch nach allen Seiten und fährt bis nach Rom; von dort aus ergeben sich unabsehbare weitere Kontakte, in denen sie sich als Ratgeberin für die verschiedensten kirchlichen Gruppierungen erweist.

in ihren letzten Lebensjahren wird sie immer häufiger auch von Bischöfen um Erfahrungsberichte gebeten – bis hin zur Bitte um Mitarbeit bei den Konzilsvorbereitungen in der Vorbereitungskommission zum Thema „Kirche und Welt“. (Vgl. Gott einen Ort sichern, S.18).

1964 stirbt Madeleine. Sie hinterlässt nicht viel: ein Buch (Ville marxiste, terre de mission) und viele unveröffentlichte Texte und Manuskripte, einen Freundeskreis, der kaum weiterreicht als über die Grenzen einer kirchlichen Minderheit hinaus. Doch die Ausstrahlung ihrer Botschaft hat unmittelbar nach ihrem Tod eingesetzt.

 

Impulse

Alltag: Ein Gottesort

Madeleine lebt die Nachfolge radikal im Alltag. Die Banalität des Alltags ist ihr ein Ort der Gottesbegegnung. Sie betet sich den Alltag nicht schon, sodern nimmt ihn war, wie er ist, in der Überzeugung, dass dieser Alltag Gott nicht daran hindert, anwesend zu sein:

„Warum sollte der Lerchengesang im Kornfeld, das nächtliche Knistern der Insekten, das Summen der Bienen im Thymian unser Schweigen nähren können – und nicht auch die Schritte der Menschenmenge auf den Straßen, die Stimmen der Marktfrauen, die Rufe der Männer bei der Arbeit, das Lachen der Kinder im Park, die Lieder, die aus der Bar dröhnen... All das ist Geräusch von Geschöpfen, die auf ihre Bestimmung zugehen, alles ist ein Widerhall des Hauses Gottes, mag es geordnet oder ungeordnet sein, alles ist Signal des Lebens, das unserem Leben begegnet.“

Alltagsmystik: Leben im Heute

Die Alltagsmystik Madeleines sucht Gottes Gegenwart im Jetzt. Mystik sind keine hochfliegenden Gedanken oder betörende Gefühle, sondern das Spüren in das jetzt, das Heute hinein:

„Der Schallraum, den das Wort des Herrn von uns fordert, ist das „Heute“: Die Umstände unseres Alltags und die Bedürfnisse unserer Nächsten, die täglichen Ereignisse und die Forderungen des Evangeliums verlangen von uns stets dieselben Antworten, aber in einer täglich erneuerten Gestalt.

Heute – das meint nicht gestern oder morgen, sondern heute, jetzt, an diesem Tag, in dieser Stunde, in diesem Moment -heute die Umstände meines Alltags wahrnehmen, die Bedürfnisse meines Nächsten – heute darauf lauschen, was Gott für heute will, so sagt Madeleine. Dass das nicht immer einfach ist, weiß auch Madeleine. Sie bittet Gott, dass wir sehen und begreifen.

  • Was klingt bei dir, wenn du dieses Wort „Heute“ hörst oder dir selbst sagst?
  • Was sind die Umstände deines Alltags, der sich sicherlich in dieser herausfordernden Zeit verändert hat?
  • Um was möchtest du Gott bitten?

Gebärden Christi

Nachfolge ist für Madeleine nicht kompliziert. Man muss nicht erst viel erreichen, um Jesus zu folgen. Eines genügt: Die Gebärden Christi nachvollziehen:

„Die ganze Kirchengeschichte hindurch gibt es so etwas wie „Landstreicher“, die immer unterwegs sind auf den Straßen, die den Weg Christi eingeschlagen haben, nicht um etwas bestimmtes zu tun oder etwas von A bis Z zu erledigen, sondern um den ganzen Weg entlang die Gebärden Christi zu vollziehen.“

Tanzen

Madeleine war eine leidenschaftliche Tänzerin. Glauben und Nachfolge Jesu hat für sie immer auch eine tänzerische Dimension, ja, der Tanz ermöglicht es, dass all das Schwere eine Möglichkeit findet, zu Gott zu finden, weil Gott selbst der Tänzer ist, der uns einlädt zum Tanz. Am Schluss ihres großen Gedichtes „Der Ball des Gehorsams“ schreibt sie:

Lehre uns, jeden Tag die Umstände  unseres Menschsseins anzuziehen

Wie ein Ballkleid, das uns alles an ihm lieben lässt

Um deinetwillen, wie unentbehrlichen Schmuck.

Gib, dass wir unser Dasein leben

Nicht wie ein Schachspiel, bei dem alles berechnet ist,

Nicht wie einen Wettkampf, bei dem alles schwierig ist,

Nicht wie einen Lehrsatz, bei dem wir uns  den Kopf zerbrechen,

Sondern wie ein Fest ohne Ende, bei dem man dir immer wieder begegnet,

Wie einen Ball,

Wie einen Tanz,

In den Armen deiner Gnade,

Zu der Musik allumfassender Liebe.

Herr, komm und lade uns ein.

 

Alle Zitate aus:

Madeleine Delbrêl,Gott einen Ort sichern, hrsg. Von Annette Schleinzer, Kevelaer 2015 (4.Auflage)

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